DFG-Projekt: Ärztliche Praxis im frühen 18. Jahrhundert

Am Deutschen Medizinhistorischen Museum wurde vom 1.9.2009 bis 30.11.2012 das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt „Ärztliche Praxis im frühen 18. Jahrhundert: Der Nürnberger Arzt Johann Christoph Götz (1688–1733)” bearbeitet.

Das Projekt basiert auf den in der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg aufbewahrten Praxisaufzeichnungen des Nürnberger Arztes. Die sieben, überwiegend lateinischsprachigen Jahresbände umfassen den Zeitraum von 1716 bis 1726. Im Rahmen des Projekts wurde eine datenbankgestützte Analyse durchgeführt, die sich der Organisation, der Patientenschaft und den Wissensbeständen der Praxis Götzes widmet. Da es sich um eine in der Etablierung befindliche Praxis handelte, wurde insbesondere die Entwicklung der genannten Aspekte und diejeweils wirksamen Faktoren für Erfolg und Misserfolg der ärztlichen Tätigkeit untersucht. Ein weiteres Anliegen war die Einbeziehung der, in den ärztlichen Aufzeichnungen zwangsläufig nur indirekt greifbaren, Patientenperspektive. Den Kontext für die Interpretation der Befunde bildete zum einen das früh ausdifferenzierte Medizinalwesen der Freien Reichsstadt Nürnberg, zum anderen die Zugehörigkeit Götzes zu dem wissenschaftlich ambitionierten und publizistisch aktiven Kreis um den Nürnberger Arzt, Botaniker und Wissenschaftskommunikator Christoph Jacob Trew.

Forschungsverbund


Das Projekt gehört zum DFG-geförderten Forschungsverbund „Ärztliche Praxis (17.–19. Jahrhundert)”. Der Forschungsverbund hat sich das Ziel gesetzt, die historische Entwicklung der ärztlichen Praxis von der Frühen Neuzeit bis zu den Anfängen der modernen Medizin zu untersuchen.
An dem Forschungsverbund sind insgesamt acht Forschungs­projekte aus Deutschland, Österreich und der Schweiz beteiligt. Sprecher des Forschungsverbunds ist Prof. Dr. Michael Stolberg, Würzburg, stellvertretender Sprecher ist Prof. Dr. Martin Dinges, Stuttgart.
Mehr Informationen auf der Projekt-Homepage

Projektteam


Prof. Dr. med. Marion Maria Ruisinger (Projektleitung)
Dr. phil. Susan Splinter (bis 30.11.2010)
Prof. Dr. phil. Kay Peter Jankrift (seit 1.3.2011)
Dr. phil. Annemarie Kinzelbach (seit 31.3.2011)
Susanne Grosser M.A.


Aufsätze und Vorträge aus dem Projektteam


1) Aufsätze

Susan Splinter: „Der Aufrichtige Medicus”, eine Zeitschrift des Nürnberger Arztes Johann Christoph Götz (1688–1733) als Vorläufer des „Commercium Litterarium”.
In: Jahrbuch für Kommunikationsgeschichte 13 (2011), S. 5–15

Ruth Schilling, Sabine Schlegelmilch, Susan Splinter:
Stadtarzt oder Arzt in der Stadt?
Drei Ärzte der Frühen Neuzeit und ihr Verständnis des städtischen Amtes.
In: Medizinhistorisches Journal 46 (2011), S. 99–133

Susan Splinter:
„Ein jeder der Stadt Nürnberg bestelter Medicus und Physicus ordinarius soll geloben...”.
Medizinale Strukturen Nürnbergs zu Beginn des 18. Jahrhundert.
In: Würzburger medizinhistorische Mitteilungen 30 (2011), S. 334–349

Kay Peter Jankrift, Annemarie Kinzelbach, Marion Maria Ruisinger:
Ernst von Metternich (1656–1727). Ein patientenzentrierter Einblick in den Medizinischen Markt um 1720.
In: Gesnerus 69 (2012), S. 12–35

Susan Splinter:
Das Verhältnis von Wissensgenerierung und ärztlichem Praxisalltag am Beispiel des Nürnberger Arztes Johann Christoph Götz (1688–1733).
In: Sudhoffs Archiv 96 (2012), S. 159–169

Annemarie Kinzelbach, Kay Peter Jankrift, Marion Maria Ruisinger:
Arztpraxis im frühneuzeitlichen Nürnberg.
Johann Christoph Götz (1688–1733)
In: Jahrbuch für Fränkische Landesforschung 72 (2012), S. 123–149

Kay Peter Jankrift:
Johann Christoph Götz (1688–1733). Ein Nürnberger Arzt, seine Patienten, das gelehrte Publikum und die Sprache der Wissenschaft.
In: Martin Mulsow, Frank Rexroth (Hrsg.), Was als wissenschaftlich gelten darf. Praktiken der Grenzziehung in Gelehrtenmilieus der Vormoderne. Frankfurt / New York [Erscheinungstermin 18.6.2014]

Annemarie Kinzelbach:
Women and Healthcare in Early Modern German Towns.
In: Renaissance Studies, special issue on women and healthcare in early modern Europe (2014) [im Druck]

Kay Peter Jankrift:
Die Journale des Johann Cristoph Götz – Eindrücke aus dem Alltag einer Nürnberger Arztpraxis in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts
In: Dominik Groß, Axel Karenberg (Hrsg.),  Rheinischer Kreis der Medizinhistoriker, Bd. 3 [eingereicht]

Annemarie Kinzelbach, Susanne Grosser, Kay Peter Jankrift, Marion Ruisinger:
„Observationes et curationes Noribergeneses.”
The medical practice of Johann Christoph Götz (1688–1733).
In: Martin Dinges, Kay Peter Jankrift, Sabine Schlegelmilch, Michael Stolberg (Hrsg.), In the doctor´s office. Medical practice in 17th- to 19th-century Central Europe. Clio medica [eingereicht]

Annemarie Kinzelbach, Stephanie Neuner, Karen Nolte:
Doing Medicine: Medical knowledge, diagnostic and therapeutic practice.
In: Martin Dinges, Kay Peter Jankrift, Sabine Schlegelmilch, Michael Stolberg (Hrsg.), In the doctor´s office. Medical practice in 17th- to 19th-century Central Europe. Clio medica [eingereicht]

Kay Peter Jankrift, Ruth Schilling:
Medical practice in context. Religion, family, politics and social networks.
In: Martin Dinges, Kay Peter Jankrift, Sabine Schlegelmilch, Michael Stolberg (Hrsg.), In the doctor´s office. Medical practice in 17th- to 19th-century Central Europe. Clio medica [eingereicht]

Annemarie Kinzelbach, Marion Maria Ruisinger:
Pietistische Medizin?
Die Praxis des Nürnberger Arztes Johann Christoph Götz (1688–1733).
In: Pietismus und Heilkunst. Ethik, pansophisch-alchimistische und magnetische Traditionen [eingereicht]

 

2) Vorträge

Marion Maria Ruisinger:
„Ärztliche Praxis in der Frühen Neuzeit”
(13.06.2008, Jahrestagung des Fachverbandes Medizingeschichte, Mainz)

Marion Maria Ruisinger:
„Ärzte und Patienten im 18. Jahrhundert”
(14.12.2009, Tagung „Transformationsprozesse und Modernisierung in der Entwicklung des Gesundheitswesens“, Universität Eichstätt)

Susan Splinter:
„Das Verhältnis von Wissensgenerierung und ärztlichem Praxisalltag am Beispiel des Nürnberger Arztes Johann Christoph Götz (1688–1733)”
(10.09.2010, Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Geschichte der Medizin und der Naturwissenschaften, Lausanne)

Annemarie Kinzelbach:
„Zur Rolle von Männern und Frauen in der Versorgung von Kranken. Ein Arztjournal als Quelle, 1721”
(19.11.2011, Südwestdeutsche Regionalkonferenz zur Medizin- und Wissenschaftsgeschichte, Stuttgart)

Kay Peter Jankrift:
„Johann Christoph Götz (1688–1733). Ein Nürnberger Arzt, seine Patienten, das gelehrte Publikum und die Sprache der Wissenschaft”
(29.02.-02.03.2012, Tagung „Was als «wissenschaftlich» gelten darf - Praktiken der Grenzziehung in Gelehrtenmilieus der Vormoderne”, Göttingen)

Marion Maria Ruisinger, Annemarie Kinzelbach:
„Observationes et Curationes Noribergenses.” Die Praxis von Johann Christoph Götz (1688–1733)
(18.-20.10.2012, Abschlusstagung „Ärztliche Praxis 17.–19. Jh.”, Stuttgart)

Stephanie Neuner, Annemarie Kinzelbach, Karen Nolte:
Praktizierte Medizin: Medizinisches Wissen, diagnostische und therapeutische Praxis"
(18.–20.10.2012, Abschlusstagung „Ärztliche Praxis 17.–19. Jh.”, Stuttgart)

Kay Peter Jankrift, Ruth Schilling:
Wechselwirkungen. Ärztliche Praxis im Spannungsfeld von Politik, Religion und Familie.
(18.–20.10.2012, Abschlusstagung „Ärztliche Praxis 17.–19. Jh.”, Stuttgart)

Marion Maria Ruisinger:
„Wie eine Leichenpredigt den Stein ins Rollen bringt.
Der Blasenstein des Nürnberger Pfarrers Johann Saubert (1592–1646)”
(01.11.2012, Abendvortrag auf dem 5. Marburger Personalschriften-Symposium: Leichenpredigten als Medium der Erinnerungskultur im europäischen Kontext)

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