DFG-Projekt: Das Schneidhaus der Fugger in Augsburg

Zum 1. September 2019 beginnt am DMMI ein auf drei Jahre angelegtes Forschungsprojekt, das mit Fördermitteln der Deutschen Forschungsgemeinschaft durchgeführt wird:

Das Schneidhaus der Fugger in Augsburg
Ein chirurgisch-kuratives Hospital in der Frühen Neuzeit

Im Mittelpunkt des Projektes steht das „Schneidhaus“ der Fugger in Augsburg, ein auf chirurgische Eingriffe spezialisiertes Hospital, das auf einer Stiftung des 16. Jahrhunderts basierte und bis zur Mediatisierung fortbestand. Das Schneidhaus ist von der Forschung bislang weitgehend unbeachtet geblieben. Durch seine Untersuchung wird es möglich, einen Forschungs­konsens in Frage zu stellen, der den Übergang vom karitativ ausgerichteten Hospital zum klinisch-therapeutischen Krankenhaus oder, um mit Martin Scheutz zu sprechen, den Übergang „vom Rosenkranz zum Skalpell“ ins 19. oder frühestens ins 18. Jahrhundert datiert. Um bei dieser Metapher zu bleiben: Es soll gezeigt werden, dass sich Rosenkranz und Skalpell nicht grundsätzlich ausschlossen, sondern auch ergänzen konnten.

Manuskript aus der Sammlung des DMMI

Die hervorragende Quellenlage – hervorzuheben ist hier das 2016 von der Gesellschaft der Freunde und Förderer des DMMI für das Haus erworbene, illustriertes Manuskript – erlaubt es, Aufschlüsse über die Patienten des Schneid­hauses in ihrer repräsentativen Funktion für Stifterfamilie und Stadtgemeinde zu erhalten. Gleichzeitig wird es möglich, Einblicke in die biographischen Hintergründe der Patienten, der Chirurgen und Ärzte mit ihren Heilmethoden und Kon­flikten zu gewinnen und die spezifischen Anliegen der Stifter des Hospitals zu beleuchten, zu denen nicht zuletzt konfessionelle Beweggründe zu zählen sind. Dies geschieht durch einen multiperspektivischen Forschungsansatz, der Medizingeschichte, Stadt- und Landes- sowie Kulturgeschichte verbindet und dabei explizit die beteiligten Akteure, insbesondere die Stifter, die Patienten und Chirurgen, in den Blick nimmt.

Der Untersuchungszeitraum erstreckt sich von der Stiftung des Schneidhauses im Jahr 1560 bis zu den letzten Eintragungen in dem illustrierten Manuskript gegen Ende des 17. Jahrhunderts. Ein Ausblick auf die aufschlussreiche Diskussion um das Weiterbestehen des Hospitals im frühen 18. Jahrhundert rundet das Projekt ab. Die Ergebnisse werden der Öffentlichkeit in einer Sonderausstellung im DMMI präsentiert.

Projektbeginn: 1.9.2019
Bearbeiterin: Dr. phil. Annemarie Kinzelbach, München

Herzliche Einladung zum Kick-off-Vortrag im Rahmen der Reihe zum 700-jährigen Bestehen der Ingolstädter Spitalstiftung am 28. August 2019 um 19 Uhr im DMMI!

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