Di., 28.7.2026, 12.30 Uhr, mit Alois Unterkircher
In dieser Mittagsvisite stellt Dr. Alois Unterkircher den deutschen Arzt und Wissenschaftspublizisten Fritz Kahn (1888–1968) vor. Mit seinen populären Büchern und Zeichnungen erklärte Kahn biologische Prozesse im Körper mit technischen Metaphern, so auch die Funktionsweise des Nervensystems. Seine Illustrationen entstanden in einer Zeit, in der Elektrizität, Radio und Telefon als Sinnbilder moderner Effizienz galten und die Vorstellung einer elektrischen Funktionsweise der Nerven in der Neurologie fest etabliert war.
Bereits im 19. Jahrhundert dienten elektrische Verfahren sowohl zur Erforschung des Nervensystems als auch zur Diagnose und Behandlung neurologischer Erkrankungen. Vor diesem Hintergrund wurden Nerven häufig mit Telegraphen- oder Stromkabeln verglichen, da beide elektrische Signale übertragen. In diesem „elektrifizierenden“ Diskurs galten der Körper und vor allem das Gehirn zudem als eine Art Batterie mit begrenzter „Nervenkraft“, die durch die Anforderungen der modernen Gesellschaft, etwa durch das Leben in der hektischen Großstadt, zunehmend erschöpft wurde. Die schwindende Nervenkraft wurde dementsprechend als Entladung der „Batterie“ interpretiert und sollte durch Ruhe oder elektrische Behandlungen wieder neu „aufgeladen“ werden.
Dr. Alois Unterkircher stellt ausgewählte Bilder Fritz Kahns vor und erläutert, wie dieser das Bild der „Stromkabelnerven“ aufgriff, um die Funktionsweise des Nervensystems anschaulich zu erklären und das mechanistische Körperverständnis seiner Zeit für breite Bevölkerungsschichten zugänglich zu machen.
Im Seminarraum „Christa Habrich”, Dauer 30 Minuten, Eintritt frei. Keine Voranmeldung nötig.