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ARZNEIPFLANZENGARTEN

Der Arzneipflanzengarten wurde 1992 am Ort des historischen „Hortus medicus“ neu angelegt.
Hier finden Sie weitere Informationen zur Geschichte des Arzneipflanzengartens.
Der Garten kann während der Öffnungszeiten des Museums kostenlos besucht werden. Bitte beachten Sie dabei unsere Gartenordnung.

Im Museumscafé „hortus medicus“ können Sie die wunderbare Stimmung des Gartens entspannt genießen.

Die aktuellen Gartenführungen und Gartenvisiten finden Sie im Veranstaltungskalender. Wenn Sie mehr über die Arzneipflanzen erfahren möchten, können Sie sich in einer Videoserie von Apothekerin Sigrid Billig durchs Gartenjahr führen lassen.

PFLANZUNG NACH WIRKSTOFFGRUPPEN

Die Arzneipflanzen sind nach Wirkstoffgruppen angeordnet, also danach, welche medizinisch relevanten Substanzen sie enthalten. Große Schilder in den Beeten nennen die jeweiligen Gruppen: Ätherische Öle, Alkaloide, Saponine, Schleime, Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe und Glykoside. Die Gruppe „Volksheilmittel“ umfasst Arten mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen, die in der Homöopathie und Volksmedizin verwendet werden. Jeder Gruppe ist eine Farbe zugeordnet, die als breiter Balken auf dem Schild zu sehen ist. Auch die kleinen Schilder mit den Pflanzennamen sind farbig gekennzeichnet. So erkennen Sie auf einen Blick, zu welcher Wirkstoffgruppe eine Pflanze gehört.

DUFT- UND TASTGARTEN

Ein besonderes Highlight finden Sie am Ende der Anlage: den Duft- und Tastgarten. In seinen Hochbeeten wachsen rund 50 Arzneipflanzen, die sich durch interessante Strukturen oder besonders intensive Duftnoten auszeichnen, so wie Zistrose, Färberröte oder Gliedkraut, um nur einige zu nennen. Dies ermöglicht auch Menschen mit Mobilitäts- oder Seheinschränkungen ein genussvolles Pflanzenerlebnis.

PFLANZEN DES JAHRES

Jedes Jahr wird von unterschiedlichen Gremien eine Heil-, Arznei- bzw. Giftpflanze des Jahres gekürt. Wenn diese „gekrönten Häupter“ auch bei uns im Arzneipflanzengarten zu finden sind, kennzeichnen wir sie mit einem eigenen Schild. 2026 sind dies die Gemeine Nachtkerze (Heilpflanze) und der Ingwer (Arzneipflanze). Zur Giftpflanze des Jahres wurde die Gartenbohne gewählt.


GESCHICHTE DES ARZNEIPFLANZENGARTENS

Der „Hortus medicus“ gehörte bei den Planungen für das 1723 errichtete Anatomiegebäude von Anfang an dazu. Hier sollten die Medizinstudenten in Botanik und Arzneimittellehre unterrichtet werden. Nach der Verlegung der Universität von Ingolstadt nach Landshut im Jahr 1800 durchliefen Gebäude und Garten eine wechselvolle Geschichte.

DIE VISION DER PROFESSOREN | 1723

Der Kupferstich aus dem Jahr 1723 zeigt den „Hortus academico-medicus Ingolstadiensis“, den „Akademisch- medizinischen Garten in Ingolstadt”. Zumindest steht das so auf dem Spruchband. Nur: Das Gebäude und den Garten gab es damals noch gar nicht. Im Jahr 1723 war gerade erst der Grundstein dafür gelegt worden. Der Studienbetrieb wurde erst zwölf Jahre später aufgenommen. Es handelt sich hier um einen Werbeprospekt, der von den Ingolstädter Professoren in Auftrag gegeben wurde, um Sponsoren und Studenten anzulocken.

AKADEMISCHE NUTZUNG | 1735 – 1800

Die einzige Abbildung des Gartens, die wir aus der Zeit seiner akademischen Nutzung besitzen, ist dieser Plan des Gärtners Veit Bertele von 1783. Demnach war der „Hortus medicus“ viel größer als heute, und er war mit schlichten rechteckigen Beeten angelegt. So ließen sich die Pflanzen übersichtlich anordnen und zugleich nach dem gültigen botanischen System gruppieren. Die nicht frostharten Kübelpflanzen wurden anfangs im Erdgeschoss des Anatomiegebäudes überwintert. Später leistete man sich ein Glashaus, in dem auch exotische Gewächse kultiviert werden konnten.

PRIVATE NUTZUNG | 1800 – 1973

Als nach dem Wegzug der Bayerischen Landesuniversität im Jahr 1800 das Anatomiegebäude geräumt und anderen Nutzungen zugeführt wurde, war das Schicksal des Gartens ebenfalls besiegelt. Das Gelände ging in Privatbesitz über und wurde als Stadtgarten und Streuobstwiese bewirtschaftet.

MUSEUMSGARTEN | 1973 – 1992

Bei der Planung des Museums bezog man die Gartenfläche als einstigen „Hörsaal im Grünen“ von Anfang an mit ein. Zunächst entstand ein kleiner Arzneipflanzengarten auf dem gebäudenahen Teil des Grundstücks. Einige Jahre später erfolgte eine erste Erweiterung. Nun umschlossen die Heilpflanzen in Rabattenform vier große, spiegelbildliche Rasenflächen. Die Planung der Anlage und die Auswahl der Pflanzen lag in den Händen der Apothekerin und Pharmaziehistorikerin Dr. Christa Habrich, der späteren Direktorin des Museums.

NEUANLAGE ZUR LANDESGARTENSCHAU | 1992 –2016

Im Vorfeld der Bayerischen Landesgartenschau in Ingolstadt 1992 wurde unter jungen Landschaftsarchitekten ein Wettbewerb für die Neuanlage des Gartens ausgerichtet. Umgesetzt wurde der Plan von Michael Palm und Thomas Class (Weinheim). Ihr Entwurf berücksichtigte die Architektur des barocken Gebäudes und die wissenschaftliche Nutzung am besten. Dabei ließen sie sich von dem Kupferstich inspirieren, den die Professoren 1723 in Auftrag gegeben hatten. Deswegen wirkt die Gartenanlage heute wie ein kleiner Schlossgarten.

LEBENDIGER ORT DER BEGEGNUNG | SEIT 2016

2016 erhielt das barocke Anatomiegebäude einen modernen Erweiterungsbau mit einem Museumscafé. Damit wandelte sich auch der Charakter des Arzneipflanzengartens. Aus der einst vielzitierten „Oase der Stille am Rande der Altstadt” wurde ein lebendiger Ort der Begegnung, in dem es auch schon einmal fröhlich laut zugehen darf.