Arzneipflanzengarten
Sondermeyr-Stich
Kupferstich „Hortus Academico-Medicus“ von Tadeus Sondermeyr.

Der Kupferstich von Thaddeus Sondermeyr wurde als Werbeprospekt verbreitet. Er zeigt eine Idealdarstellung des „Hortus medicus”, der in Wirklichkeit nie so prächtig und aufwendig gewesen ist. Er ähnelte vielmehr einem schlichten Nutzgarten, bei dem die Pflanzen nach dem jeweils gültigen botanischen System auf doppelreihigen Beeten angeordnet waren. Exotische Gewächse wurden in Glashäusern kultiviert, empfindliche Freilandbestände im Erdgeschoss des Anatomiegebäudes überwintert.

Die Medizinische Fakultät der Universität Ingolstadt achtete auf einen zeitgemäßen Botanikunterricht, der neben theoretischen Vorlesungen auch praktische Übungen im Garten umfasste. Als einer der ersten ließ Leonhart Fuchs (1501–1566) eigene Beobachtungen in der Natur in seine Forschung und Lehre einfließen. In seiner Tradition standen im 18. Jahrhundert bedeutende Professoren wie Johann Adam Morasch (1682–1734), Johann Jakob Treyling (1680–1758) und Joseph Anton Carl (1725–1799). Als nach dem Wegzug der Bayerischen Landesuniversität im Jahr 1800 das Anatomiegebäude geräumt und später zweckentfremdet genutzt wurde, war das Schicksal des Gartens ebenfalls besiegelt.

Pflanzschema

1973 brachte die Renovierung der „Alten Anatomie” anlässlich der 500-Jahr-Feier der Universität eine Wiederbelebung für den botanischen Garten, der als lebendiger Teil des Museums von Anfang an in die Planungen einbezogen war. Zunächst wurde auf einem kleinen Teil des Grundstücks, das dem neu gegründeten Museum zur Verfügung stand, ein Arzneipflanzengarten angelegt. Einige Jahre später erfolgte eine erste Erweiterung. Nun umschlossen die Heilpflanzen in Rabattenform vier große, spiegelbildliche Rasenflächen.
Im Hinblick auf die Bayerische Landesgartenschau in Ingolstadt 1992 erschien diese zurückhaltende Präsentation jedoch wenig geeignet, einer großen Zahl interessierter Besucher die einzelnen Arten des medizinischen Pflanzenguts intensiv zu vermitteln. So reifte der Gedanke, den Garten entsprechend umzubauen und neu zu disponieren.

Es wurde ein Wettbewerb unter jungen Landschaftsarchitekten ausgerichtet, der eine Fülle interessanter Pläne generierte. Umgesetzt wurde derjenige Plan, der sowohl die Architektur des barocken Gebäudes als auch die wissenschaftliche Nutzung am besten berücksichtigte. So entstand ein neues Gartenkonzept, in dem die Tradition der universitären Vergangenheit anklingt, gleichzeitig aber die moderne Systematik den Pflanzenbestand nach aktuellen medizinisch-pharmazeutischen Erkenntnissen strukturiert.

Blick in den Garten

Auf ornamentalen, von Buchsbaumhecken eingefassten Flächen sind einzelne Beete abgeteilt, auf denen die Pflanzen nach Wirkstoffgruppen zusammengefasst und nach Familien gegliedert angeordnet sind. Die Gruppen umfassen im Einzelnen: Ätherische Öle, Alkaloide, Saponine, Schleime, Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe und Glykoside. Eine Sonderabteilung zeigt Arten mit unterschiedlichen Inhaltsstoffen, die in der Homöopathie und Volksmedizin häufig verwendet werden. Die Auswahl orientierte sich an dem aktuellen Grad der Gebräuchlichkeit in Medizin, Naturheilkunde und Selbstmedikation. Natürlich kann es nicht Sinn des Gartens sein, Anleitung zur Behandlung aller möglichen Krankheiten zu geben, wohl aber Einblicke und Kenntnisse in den heutigen Arzneipflanzenschatz und die Begegnung mit dem lebendigen Träger wertvoller Wirkstoffe zu vermitteln.

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