Autopsie im März 2011: Kunstwerke Medizin als Thema in der Gegenwartskunst

mit Prof. Dr. Dr. Christa Habrich (Gießen) und Dr. Isabella Kreim (Ingolstadt)

Louis Constantin: „Das innere Auge“ (1989)

Der Autopsieabend im März dreht sich um die Gegenwartskunst und ihr Verhältnis zur Medizin. Für dieses Thema konnten zwei Expertinnen mit viel eigener Erfahrung gewonnen werden: Isabella Kreim hat als langjährige Vorsitzende des Ingolstädter Kunstvereins zahlreiche Künstlerausstellungen initiiert und kuratiert, und auch Christa Habrich hat das Deutsche Medizinhistorische Museum immer wieder Künstlerinnen und Künstlern für Sonderausstellungen geöffnet. Und sie hat es sich zur Gewohnheit gemacht, jeweils eines der Kunstobjekte für die Sammlung des Hauses zu erwerben. Eine Auswahl dieser Werke ist in der aktuellen Sonderausstellung zu sehen - und auch einige der betreffenden Künstlerinnen und Künstler haben für den Autopsieabend ihre Anwesenheit angekündigt.

Dazu einige Gedanken von Christa Habrich:

„Das klassische Gebiet des Zusammenwirkens von Medizinern und Künstlern ist seit der Renaissance die Anatomische Abbildung. Hier finden das wissenschaftlich forschende Auge und die Präparierkunst des Mediziners und das geschulte Auge und die bildnerische Kunstfertigkeit des Künstlers zusammen. Ohne diese „Symbiose“ wären die anatomischen Atlanten des 16. bis 19. Jahrhunderts – wichtigste Lehrmittel für Ärzte – nicht entstanden. Das gleiche gilt für die Werke der medizinischen Botanik, Gemeinschaftswerke von Medizinern, Malern und Formschneidern. Beispiele finden sich im Saal der Anatomie des Museums.

Zu den Sammelgebieten des Museums gehörten von Anfang an Ärzteporträts, Karikaturen und Genrebilder aus dem ärztlichen Alltag aller Stilepochen, aber auch Darstellungen von Leben, Leiden und Tod aus der Perspektive der Patienten. Es war ein besonderes Anliegen, auch zeitgenössischen Künstlern ein Forum für Arbeiten zu bieten, die ihren Blick auf den menschlichen Körper zeigen und Wechselwirkungen mit den Objekten des Museums induzieren. In Sonderausstellungen konnten Werke u. a. von Roman Hippeli, Louis Constantin, Thomas Neumaier, Peter Gilles, Rüdiger Kramer, Gerda Biernath und Angela Breidbach gezeigt werden. Mehrere Ausstellungen aus der umfangreichen Schenkung der Künstlerin Gisela Petschner zeigten den Menschen in seinem hilf- und hoffnungslosen Zustand in Krankheit und Alter. Alle Kunstwerke, die mit sehr unterschiedlichen Stilmitteln und bildnerischen Techniken das Nachdenken über das Selbstverständnis der Medizin und ihr Menschenbild anregten, boten Anlass zu lebhafter Auseinandersetzung mit dem Publikum. Im Spannungsfeld zwischen Emotion und Rationalität ergab sich für die Besucher die Möglichkeit zu reger, auch sehr kontrovers geführter Diskussion mit den Künstlern und dem Ausstellungsteam. Dies sollte auch im Rahmen unseres „Autopsieabends“ gelingen.“

Eintritt frei

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