Geschichte des Museumsgebäudes

Wer am Eingang zur Anatomiestraße den architektonisch in die Häuserfront eingegliederten, eher vornehm-zurückhaltenden Baukörper des Museums erblickt, wird überrascht sein, wenn er von der dahinter liegenden Gartenseite auf ein barockes Kleinod stößt: auf die „Alte Anatomie” der ehemaligen Universität Ingolstadt.

Die 1472 als erste bayerische Landesuniversität gegründete Universität Ingolstadt hatte ihren Sitz in der „Hohen Schule”, einem hochgotischen Gebäude in der Nähe des Museums. Doch die für Vorlesungen eingerichteten Hörsäle wurden den sich wandelnden Ansprüchen an die medizinische Ausbildung immer weniger gerecht, denn seit der Renaissance hatte die Vermittlung naturkundlicher Phänomene durch Demonstration und Experiment immer mehr an Bedeutung gewonnen.

Kupferstich „Hortus Academico-Medicus” von Tadeus Sondermeyr

Um die Grundlagenfächer Botanik, Anatomie, Chemie und Physik zeitgemäß unterrichten zu können, erwarb die Medizinische Fakultät im späten 17. Jahrhundert ein Grundstück zwischen der Hohen Schule und der Stadtmauer für einen botanischen Garten und ein Anatomiegebäude. Von 1723 bis 1736 wurde das medizinische Fakultätsgebäude errichtet, dessen Kernstück der anatomische Hörsaal im ersten Stock ist.

Anatomiegebäude um 1900 (Stadtarchiv Ingolstadt)

1800 erfolgte die Verlegung der Universität nach Landshut. In der Folgezeit wurden das Anatomiegebäude und der botanische Garten zweckentfremdet und unterschiedlich genutzt. In den 1950er Jahren war das Anwesen so heruntergekommen, dass man an Abriss dachte. Glücklicherweise entschloss sich die Stadt Ingolstadt gemeinsam mit dem Landesamt für Denkmalpflege, das Gebäude zu restaurieren. Anlass war die 500-Jahrfeier der Universität, die 1826 von Landshut nach München gelangt war.

Anatomiegebäude nach der Renovierung (um 1973)

Nach der Jubiläumsausstellung stellte die Stadt Ingolstadt das Anwesen, das einst das „Anatomische TheaterKupferstich „Hortus Academico-Medicus” von Tadeus Sondermeyr, physikalische und chemische Sammlungen und einen Wintergarten für empfindliche Gewächse beherbergt hatte, 1973 zur Errichtung eines Medizinhistorischen Museums bereit.  Anfangs musste man sich mit einigen wenigen Exponaten behelfen. Heute besitzt das Deutsche Medizinhistorische Museum die größte einschlägige Sammlung Deutschlands.

Schlüsselübergabe am 23.6.1973 mit OB Schnell (re) und Prof. Goerke (li.)

Für die wissenschaftliche Begleitung der Museumsgründung zeichnete das Institut für Geschichte der Medizin der Ludwig-Maximilians-Universität München verantwortlich. Die (bis 2008 ehrenamtliche) Leitung des Museums lag zunächst bei dem Gründungsdirektor Prof. Dr. Heinz Goerke. dann übernahm Priv.-Doz. Dr. Jörn Henning Wolf die Direktion des Hauses, von 1983 bis 2008 leitete und prägte Prof. Dr. Christa Habrich das Deutsche Medizinhistorische Museum Ingolstadt. 2008 wurde mit Priv.-Doz. Dr. Marion Maria Ruisinger erstmals eine hauptamtliche Direktorin eingesetzt.

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