Adonisröschen
Adonisröschen im Arzneipflanzengarten (Foto: Claudia Rühle)

Adonisröschen, Adonis vernalis L. | Das leuchtend gelbe Adonisröschen stammt ursprünglich aus Sibirien und dem Altaigebirge. Die ersten Knospen treiben im zeitigen Frühjahr, sind grün- violett bereift und fallen deshalb im Winterlaub kaum auf. Bei mildem Wetter findet man die ersten Blüten im März, Hauptblütezeit ist allerdings erst im April/ Mai. Die sattgelben Kronblätter öffnen sich nur bei Sonnenschein. Die Laubblätter sind sehr fein gefiedert und können so die Wärme gut speichern. Nach der Blüte sorgen vor allem Ameisen für die Verbreitung der Samen. Als Steppenpflanze braucht das Adonisröschen wenig Nährstoffe, dafür aber sehr viel Licht.

In Deutschland findet man die Pflanze in der Garchinger Heide, aber auch in Thüringen und Brandenburg. Viele Standorte sind durch Kultivierungsmaßnahmen vernichtet worden. Deshalb steht das Adonisröschen hierzulande unter Naturschutz und darf nicht gepflückt werden.

Sein Name geht zurück auf die griechische Mythologie: Adonis, ein wunderschöner Jüngling, war einer der Geliebten der Aphrodite. Das erregte die Eifersucht von Ares, dem Gott des Kriegs. Er verwandelte sich in einen Eber und verletzte den schönen Adonis auf einer Jagd tödlich. Als Adonis in den Armen seiner geliebten Aphrodite stirbt, vermischt sich sein Blut mit ihren Tränen und tropft auf die Erde. An der Stelle, die das Blut des Adonis rot färbte, soll das Adonisröschen gewachsen sein – es gibt nämlich auch rotblühende Arten!

Das Adonisröschen ist stark giftig, wird in der Medizin dennoch seit der Antike verwendet. In den hippokratischen Schriften wird es bei Wassersucht empfohlen; Plinius erwähnt es ebenfalls. Im 16. Jh. behandelte der deutsche Arzt und Botaniker Hieronymus Bock Koliken und Steinleiden mit dem Samen der Pflanze. Volksheilkundlich wurde das Adonisröschchen gegen Gicht, Wassersucht, Stein- und Nierenleiden eingesetzt. Heute wissen wir, dass es – ähnlich wie Fingerhut und Maiglöckchen - herzwirksame Glykoside enthält. Seine Wirkung auf das Herz entdeckte man aber erst Ende des 19. Jahrhunderts, seine Inhaltsstoffe wurden dann im 20. Jahrhundert identifiziert.

So wirksam Glykoside bei leichter Herzmuskelschwäche (Herzinsuffizienz) sind, so giftig sind sie bei Überdosierung: Leichte Vergiftungen äußern sich zunächst mit Durchfall, Übelkeit und Störungen des Farbsehens, schwere Vergiftungen zuerst mit einem Anstieg, dann mit einem Abfall des Blutdrucks und Herzrhythmusstörungen bis hin zum Tod durch Kammerflimmern.

geschrieben von Apothekerin Sigrid Billig als „Gartenvisite auf Distanz" für Dienstag, den 5.5.2020

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