Vortragsreihe „Auf neuen Wegen. Medizin zur Zeit Napoleons”: Die Befreiung der Irren von der Kette

Mi., 7.10.2015, 19.00 Uhr

 Im Rahmenprogramm zur Landesausstellung Napoleon und Bayern

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DIE BEFREIUNG DER IRREN VON DER KETTE.
Deutsch-französische Details, Mythen - und die Geschichtsschreibung.
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Mit diesem Vortrag endet unsere Vortragsreihe im Begleitprogramm zur Landesausstellung. Der Referent Priv.-Doz. Dr. Thomas Müller widmet sich den Entwicklungen der Psychiatrie von der Revolutionszeit in Frankreich bis in die napoleonische Zeit. Die damals angestrebte „Befreiung der Irren von den Ketten“ stellte zweifelsohne eine Zeitenwende der Medizin dar. An die realen historischen Ereignisses knüpfen sich aber auch moderne Mythen, deren realitätsferne Aspekte zum Teil bis heute unkritisch übernommen werden.

In dem Vortrag werden zunächst relevante historische Entwicklungen und gegenseitige Einflussnahmen Frankreichs und Deutschlands dargestellt, die damals in der Medizin führende Nationen waren. Ein Schwerpunkt liegt hier auf der Entwicklung im süddeutschen Raum. Porträtiert wird dabei sowohl die Entwicklung der psychiatrischen Einrichtungen als auch der als „psychischer Kur“ verstandenen Therapie. Anschließend wird die Behandlung „psychischer“ Erkrankungen in einem weiteren Rahmen vorgestellt, um der Vielfalt therapeutischer, insbesondere psychodynamischer, Entwicklungen vom späten 18. bis ins 19. Jahrhundert hinein gerecht zu werden. Hier erweisen sich insbesondere außerklinische – wenn auch im Kern medizinisch-therapeutische – Entwicklungen als bedeutungsvoll und nachhaltig. Beide beschriebenen Stränge der Entwicklung, innerhalb wie außerhalb der „Anstalten“ des 19. Jahrhunderts, lassen sich dabei vor dem Hintergrund von Säkularisierung, Verwissenschaftlichung und Medizinalisierung darstellen.

Zum Referenten:
Privat-Dozent Dr. med. Thomas Müller M.A. ist Arzt und (Medizin-)Historiker. Er forschte und lehrte von 1998-2006 an der Charité Berlin (Freie Universität und Humboldt-Universität zu Berlin) sowie 2006-2007 an der Universität Ulm. 2007 begründete er einen Forschungsbereich für Geschichte der Medizin an der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie I der Universität Ulm / Zentrum für Psychiatrie Südwürttemberg. Er ist Leiter des Württembergischen Psychiatriemuseums und des Verlags Psychiatrie und Geschichte und koordiniert die „Historische Forschung“ aller Zentren für Psychiatrie in Baden-Württemberg.

Seine historischen Forschungsschwerpunkte sind soziale und vergleichende Geschichte der Medizin, Wissenschaftswandel und internationaler Wissenstransfer.

Eintritt frei

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