Vortrag: Grenzobjekte zwischen Pflege und Medizin

Do., 14.11.2019, 19.00 Uhr, mit Prof. Dr. Karen Nolte, im Barocksaal des Stadtmuseums

Prof. Karen Nolte, Heidelberg

BITTE BEACHTEN:
Der Vortrag findet im Barocksaal des Stadtmuseums statt!
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Tagung „Objekte als Quellen für Medizingeschichte":
Schröpfkopf, Stethoskop und „stumme Schwester“
Grenzobjekte zwischen Pflege und Medizin
Öffentlicher Abendvortrag mit Frau Professor Dr. Karen Nolte, Heidelberg
Begrüßung durch den Kulturreferenten Gabriel Engert
Vorstellung der Referentin durch Professor Dr. Marion Ruisinger.
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Frau Professor Karen Nolte von der Universität Heidelberg spricht im Barocksaal des Stadtmuseums Ingolstadt zum Thema „Schröpfkopf, Stethoskop und „stumme Schwester“. Grenzobjekte zwischen Pflege und Medizin“. Der Vortrag ist Teil der dreitägigen Fachtagung „Objekte als Quellen der Medizingeschichte“, die vom Deutschen Medizinhistorischen Museum zusammen mit dem Verein für Sozialgeschichte der Medizin, der Universität Erlangen und der Universität Klagenfurt ausgerichtet wird. Vor dem Vortrag begrüßt der Kulturreferent der Stadt Ingolstadt, Gabriel Engert, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer der Tagung und die Gäste des Vortrags. Anschließend führt die Direktorin des Medizinhistorischen Museums, Frau Professor Marion Ruisinger, die Referentin ein.

Frau Professor Karen Nolte leitet das Institut für Geschichte und Ethik der Medizin an der Universität Heidelberg. Sie beschäftigt sich in Forschung und Lehre seit Jahren intensiv mit Objekten aus medizinhistorischen Sammlungen. In diesen finden sich heute etliche Dinge, die für Praktiken stehen, die im Laufe der Zeit entweder zum Bereich der Medizin oder der Pflege gehörten. Als „Grenzobjekt“ im theoretischen Sinne bezeichnet man zudem Objekte, die durch mehrere Hände gehen, d.h. Objekte, die die Grenzen zwischen verschiedenen Arbeitsbereichen resp. Berufsgruppen überwinden. Der Vortrag nimmt diese Grenzziehungen und Überschneidungen zwischen Pflege und Medizin entlang der Objekte in den Blick.

Warum erinnert sich zum Beispiel heute kaum noch jemand daran, dass das Schröpfen noch bis in die 1970er Jahre eine pflegerische Tätigkeit war und dass das Fiebermessen zunächst zu den Aufgaben des Arztes gehörte? Warum steht das Stethoskop bis heute symbolisch für den Arztberuf, fehlt aber in keiner Kitteltasche von Pflegenden? Nicht nur die Geschichte des Stethoskops und seine Bedeutung für beide Berufsgruppe gilt es zu ergründen. Andere Objekte wie die „stumme Schwester“, der Ablagetisch für Operationsinstrumente, weisen uns auf Objekte hin, die von Hand zu Hand wandern: Die Operationsschwester bereitet die Instrumenten für eine Operation vor und reicht diese an den Chirurgen, der mit diesen Objekten am menschlichen Körper arbeitet. Auch stellt sich die Frage, welche Bedingungen dazu beitrugen, dass Narkoseinstrumente, Blasenkatheter u.a. Objekte von der Pflegepraxis in den ärztlichen Verantwortungsbereich wechselten.

Die Chloroform-Tropfflasche ist in vielen medizinhistorischen Sammlungen überliefert und wird häufig als ärztliches Objekt dargestellt – tatsächlich gebrauchten überwiegend Pflegende dieses Objekt, bis seit den späten 1960er Jahren sukzessive die Inhalationsnarkose von der Intubationsnarkose abgelöst wurde. Die kontroverse Debatte um Beibehaltung der „Schwesternnarkose“ endete letztlich zugunsten der Ärzte, die als neue Anästhesiefachärzte in den Operationssaal drängten. Diese und andere Geschichten von Grenzobjekten wird der Abendvortrag zeigen und somit über die Objekte Einblick in die Beziehung zwischen beiden Gesundheitsberufen geben.

Informationen zur Referentin finden Sie hier

Dauer ca. 75 min., Eintritt frei, keine Voranmeldung  

 

 

 

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