Vortrag: Die Umsetzung des GzVeN in Ingolstadt

Mi., 2.5.2018, 19.00 Uhr, mit Prof. Dr. Marion Ruisinger, Ingolstadt

Vortragsreihe im Begleitprogramm zur Ausstellung
Radiologie im Nationalsozialismus
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Die Umsetzung des „Gesetzes zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” in Ingolstadt.
Ein Bericht aus der Forschung

Das von den Nationalsozialisten 1933 erlassene „Gesetz zur Verhütung erbkranken Nachwuchses” trat zum 1.1.1934 in Kraft. Bis zum Kriegsende wurden im Deutschen Reich rund 360.000 Frauen und Männer auf Basis dieses Gesetzes gegen ihren Willen sterilisiert. Dies erfolgte meistens durch eine Operation, bei Frauen gab es ab 1936 auch die Möglichkeit zur Unfruchtbarmachung durch Röntgen- oder Radiumstrahlung.

Im Rahmen der Vorbereitungen für die Übernahme der Wanderausstellung „Radiologie im Nationalsozialismus”, in der auch dieser Aspekt der menschenverachtenden Anwendung von Röntgen- und Bestrahlungstechnik angesprochen wird, ging Museumsdirektorin Marion Ruisinger der Frage nach, wie viele dieser 360.000 Zwangssterilisierten aus Ingolstadt stammten. Ihr Weg führte sie in das Stadtarchiv Ingolstadt, in das Staatsarchiv nach Nürnberg und in das Universitätsarchiv nach München. Allmählich fügten sich die Bausteine zusammen. Das Ergebnis der Recherchen bildete die Grundlage für eine Tafel und eine Medienstation zum Thema „Fokus Ingolstadt” in der aktuellen Ausstellung.

In ihrem Vortrag wird Ruisinger ihre ZuhörerInnen mit auf diesen Weg durch die Archive nehmen und dabei Schritt für Schritt auch den Weg rekonstruieren, der für die Frauen und Männer aus Ingolstadt damals zur Zwangsoperation oder zur Zwangsbestrahlung führte. An ausgewählten (selbstverständlich anonymisierten) Beispielen wird deutlich, wie unbarmherzig der Zugriff der nationalsozialistischen Diktatur auf den Einzelnen war, und wie reibungslos der dahinter stehende Verwaltungsapparat funktionierte, an dem wesentliche Schnittstellen durch Ärzte besetzt waren.

Zur Referentin 
Die Ärztin und Medizinhistorikerin Marion Ruisinger ist seit 2008 Direktorin des Deutschen Medizinhistorischen Museums in Ingolstadt. Mehr Informationen zu ihrer wissenschaftlichen Laufband sind der Mitarbeiterseite am Institut für Geschichte und Ethik der Medizin der FAU Erlangen-Nürnberg zu entnehmen.

Ort: Seminarraum „Christa Habrich”. Dauer ca. 60 min., keine Teilnahmegebühr
Weiterbildungspunkte bei der Bayerischen Landesärztekammer sind beantragt

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