Reihe „Autopsien”: Totenkronen. Ein vergessenes Phänomen der europäischen Bestattungskultur

Mi., 28.1.2015, 19.00 Uhrmit Dr. Sylvia Müller-Pfeifruck, Berlin

Nie war die durchschnittliche Lebenserwartung in Europa höher als heute. Wir erleben den Tod nicht mehr als unseren ständigen Begleiter. Das war jedoch bis weit ins 19. Jahrhundert hinein noch ganz anders. Der Tod war allgegenwärtig im Alltag der Menschen. In dem Versuch, ihn zu bewältigen, entstanden viele Bräuche. Die meisten sind heute vergessen. Das trifft besonders auf den Totenkronenbrauch zu, der von etwa 1500 bis 1900 europaweit beim Tod von Ledigen gepflegt wurde. Mancherorts, wie in Bayern, uferte er so aus, dass sich die Obrigkeit gezwungen sah, ihn durch Erlässe und Verbote einzudämmen.

Ausgehend von zwei Totenkronen, die eigens für den Vortrag aus dem Pfarramt Schalkhausen (Ansbach) nach Ingolstadt geholt wurden, wird in dem reich bebilderten Autopsie-Vortrag die Entwicklung dieses facettenreichen, europäischen Brauchs und seiner vielgestaltigen Denkmäler anschaulich herausgearbeitet.

Zur Referentin
Sylvia Müller-Pfeifruck studierte Klassische Archäologie und Kunstgeschichte. Sie promovierte zu mittelalterlicher Glasmalerei und ist in Berlin als freiberufliche Kunsthistorikerin im musealen und denkmalpflegerischen Bereich tätig. 1997 entdeckte sie die ersten Denkmäler des Totenkronenbrauchs im Land Brandenburg, deren Erfassung und Erforschung sie sich seitdem widmet. Einen zweiten Forschungsschwerpunkt stellen die Gedächtnismale für Gefallene in den Kirchen des Landes Brandenburg dar. Durch zahlreiche Vorträge, Publikationen und Ausstellungen hat sie einen Wandel in der Wahrnehmung dieser von der Forschung weitgehend übersehenen Zeugnisse der Bestattungskultur angestoßen.

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