Reihe „Autopsien”: Textilien. Die Pestarztmaske als Patient

Mi., 29.1.2014, 19.00 Uhrmit Restauratorin Sonja Müller M.A., Waiblingen

Bei diesem Autopsie-Abend geht es um „kranke” Textilien – und dies am Beispiel eines ganz besonderen textilen Objekts: der Pestarztmaske.

Die Pestarztmaske gehört zu den „Leuchtturmobjekten” des Medizinhistorischen Museums. Und das nicht nur wegen ihrer Seltenheit – in Deutschland sind nur zwei dieser Masken erhalten – sondern vor allem wegen ihrer furchteinflößenden Gestalt. „Wenn ein Pestkranker diesen Arztbesuch überlebte, war er sicherlich schon auf dem Weg der Besserung”, so und ähnlich reagieren viele Besucher des Museums auf die ungewöhnliche Schnabelmaske. Bei genauer Betrachtung zeigte sich jedoch, dass es der Maske selbst nicht gut ging: Der „Schnabel” hing traurig herunter und führte durch sein Gewicht zu Rissen im Stoff; die Maske selbst war spröde und faltig, an vielen Stellen hatte sie einen weißlichen Belag. Deshalb entschloss sich die Museumsleitung, die Pestarztmaske über die Weihnachtszeit bei der Textilrestauratorin Sonja Müller in die Kur zu geben. Nach dem ersten Diagnosegespräch war klar: Das würde ein richtiger Wellness-Urlaub werden, mit Tiefenreinigung, Faltenglättung, Nasenlifting und einigem mehr.

Im Rahmen des Autopsie-Abends kehrt der „Herr Schnabel”, wie die Maske in der Restaurierungswerkstatt getauft wurde, wieder in das Museum zurück. Die Restauratorin geht dabei auf die verschiedenen Schadensbilder ein, die an textilen Objekten entstehen können, und erläutert am Beispiel der Pestarztmaske die möglichen Behandlungsmaßnahmen. Und natürlich freut sie sich schon auf viele Fragen aus dem Publikum!

Wer zuhause auch ein „krankes” textiles Objekt liegen hat, kann es übrigens gerne zu der Veranstaltung mitbringen. Das muss keine Pestarztmaske sein – Sonja Müller kennt sich auch mit Kleidung, Kissen, Fahnen und anderen textilen Dingen aus. Im Anschluss an die Autopsie steht sie für eine Blickdiagnose und Therapieempfehlungen zur Verfügung.

Zur Person
Sonja Müller erwarb an der Universität Hull einen „Joint Degree in English and Drama” (BA) und absolvierte anschließend in London am „Royal College of Art / Victoria & Albert” einen „Museum MA Conversation Course” (MA) im Fachbereich Textilrestaurierung. Nach zahlreichen Projekten im Bereich Restaurierung, Inventarsierung und Ausstellungsaufbau gründete sie zusammen mit ihrem Kollegen Robert Schweizer die Müller & Schweizer GbR Restaurierungswerkstatt in Waiblingen.

Eintritt frei

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