Reihe „Autopsien”: Spektroskop. Was dem Licht in Astronomie, Chemie und Medizin zu entlocken ist

Mi., 24.10.2012, 19.00 Uhrmit Dr. Jochen Hennig, Berlin

Spektroskop – was dem Licht in Astronomie, Chemie und Medizin zu entlocken ist.

Die Anwendungen der Spektroskopie, die der Chemiker Bunsen und der Physiker Kirchhoff um 1860 entwickelten, waren spektakulär, reichten sie doch von der Analyse der Zusammensetzung des Blutfarbstoffs und der Sterne bis zur Entdeckung der Elemente Cäsium und Rubidium. Der Spektralapparat aus den 1860er Jahren, der sich im Besitz des Deutschen Medizinhistorischen Museums Ingolstadt befindet, ist ein Standardinstrument seiner Zeit, wie es in nahezu unveränderter Form über Jahrzehnte verwendet wurde. Er unterscheidet sich in einigen wesentlichen Merkmalen von dem Eigenbau, mit dem Kirchhoff und Bunsen wenige Jahre zuvor ihre bahnbrechenden Experimente starteten. Der Vortrag widmet sich diesem Schritt vom Prototyp zum kommerziellen Standardinstrument. Dabei kann Jochen Hennig seine Erfahrungen einbringen, die er bei Experimenten mit einem Nachbau des Spektralapparates von Kirchhoff und Bunsen sammeln konnte. Es zeigt sich, wie sich die beiden Wissenschaftler Erfahrungen aus früheren Experimenten zu Nutze machen konnten, aber mit diesem Erfahrungshorizont auch an ihre Grenzen stießen. Erst in der Zusammenarbeit mit einem Instrumentenbauer konnten sie die Unzulänglichkeiten des Eigenbaus überwinden. Das Ergebnis war ein Apparat, der durch seine universelle Einsetzbarkeit und seine einfache Bedienbarkeit in kürzester Zeit zu einem Siegeszug durch die wissenschaftlichen Labore der Zeit ansetzen konnte. Der Vortrag geht damit den übergeordneten Frage nach, wie sich wissenschaftliches und handwerkliches Wissen zueinander verhalten, in welchem dynamischen Verhältnis Grundlagenforschung und technische Anwendung stehen, wie sich Expertisen aus diesen unterschiedlichen Bereichen in einem Instrument materialisieren und wie sie sich diesem in einer historischen Studie wieder entlocken lassen.

Dr. Jochen Hennig ist an der Humboldt-Universität Berlin als Sammlungsbeauftragter des Präsidiums tätig.

Eintritt frei

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