Reihe „Autopsien”: Photozystoskop. Das wahre Bild vom Blasenstein

Do., 9.2.2012, 19.00 Uhr (mit Prof. Dr. Thomas Schnalke, Berlin)

Unsere Autopsie-Reihe macht im Februar einen Ausflug in die Anfänge der modernen Endoskopie. Im Mittelpunkt steht ein gut 100 Jahre altes so genanntes Photozystoskop, ein Blasenspiegel also, der – mit einer Fotokamera bestückt – sehr früh schon Aufnahmen vom Innenraum der menschlichen Harnblase möglich machte. 

Der Berliner Urologe Max Nitze (1848-1906) hatte 1879 mit der Vorstellung des ersten funktionstüchtigen Blasenspiegels der Entwicklung der Endoskopie einen entscheidenden Schub gegeben. Nach ersten beruflichen Stationen in Dresden und Wien ließ er sich 1880 dauerhaft in Berlin nieder und brachte bis zu seinem Tod 1906 immer wieder Neuerungen und Modifikationen seiner Gerätschaften auf den Markt. Als entscheidend für die Durchsetzung dieser medizinischen Technik erwies sich – neben der Wahl und Positionierung des Leuchtmittels und der Bestückung des Instrumentars mit mikroinvasiv einsetzbaren Zusatzgeräten – die Qualität der erzeugten Bilder, vor allem aber die Frage, wie diese Bilder, die sich zunächst nur dem Auge des Untersuchers darboten, festgehalten und reproduziert werden konnten.

In seinem Vortrag stellt Thomas Schnalke das von Max Nitze entwickelte Prinzip der Photozystoskopie vor und gibt dabei Einblicke in die Anatomie eines faszinierenden medizinischen Instruments. Er zeichnet die sich wandelnde Einstellung Nitzes hinsichtlich seiner endoskopischen Bilder nach und wirft verwundert die Frage auf, wie sich der Urologe dazu versteigen konnte, mit Blick auf seine zystoskopischen Fotografien enthusiastisch von einer „objektiven Wiedergabe der Wirklichkeit“ zu sprechen. 

Zum Referenten

Thomas Schnalke ist Arzt und Medizinhistoriker. Seit 2000 bekleidet er die Professur für Geschichte der Medizin und Medizinische Museologie an der Charité Berlin, die mit der Leitung des Berliner Medizinhistorischen Museums verbunden ist.

Eintritt frei

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