Reihe „Autopsien”: Lebkuchen. Backzutaten aus der Apotheke

Mi., 12.12.2012, 19.00 Uhrmit Prof. Dr. Christa Habrich, Gießen

Exotische Gewürze waren bereits im Hohen Mittelalter in Europa bekannt, beliebt und begehrt. Zu diesen „Luxusdrogen” zählten Zimt, Galgant, Gewürznelken, Ingwer, Muskatnuss, Pfeffer, Safran usw. Über Venedig wurden diese Spezereien in deutsche Reichsstädte wie Augsburg, Nürnberg und Regensburg eingeführt und über die Apotheken an Fürstenhöfe und vermögende Bürger geliefert. Die streng kontrollierten und kontrollierenden Apotheken gewährleisteten die Echtheit und Qualität der kostbaren Orientdrogen, die nicht selten verfälscht oder in minderer Form gehandelt wurden und werden. Lange bevor es Zuckerbäcker und Lebzelter gab, stellten Apotheker Gewürzkonfekt und kleine Küchlein („tortelli”) her, in die jene köstlichen Stoffe eingearbeitet waren. Sie dienten nicht allein als Naschwerk, sondern auch als Arzneimittel gegen Magenbeschwerden und Verdauungsstörungen.

Aus dem Apothekenlabor stammten auch die ersten Treibmittel für die Lockerung von Teig für Flachgebäck, die zu neuen Formen der Weihnachtsbäckerei führten. Aus gebranntem Geweih und anderen Knochen gewann man „Hirschhornsalz”, die Rückstände verbrannter Pflanzen lieferten „Pottasche”. Diese Salze sind als Vorläufer des von Justus Liebig erfundenen „Backpulvers” bis heute in reiner Form in Apotheken erhältlich.

Der „Lebkuchen”, dessen Namen schon auf seine, die vitalen Kräfte stärkenden Eigenschaften hinweist, ist das beste Beispiel für die fließenden Grenzen zwischen Nahrungs-, Genuss- und Arzneimittel. Er ist eine Panazee für Leib und Seele, unentbehrlich für winterliche Festagsfreuden.

Eintritt frei

Anatomiestraße 18 – 20 · 85049 Ingolstadt · (0841) 305-2860 · Fax -2866 · E-Mail: dmm@ingolstadt.de