Reihe „Autopsien”: Ginsengwurzel und Co. Geschichte und Gegenwart der japanischen Arzneipflanzentherapie

Mi., 7.11.2012, 19.00 Uhrmit Dr. Heidrun Reißenweber-Hewel, München

Seit Jahrtausenden gilt Ginseng (Panax ginseng C. A. Meyer) in Asien als „Königin der Heilpflanzen” und wurde wegen seiner umfassenden Wirkung auf die Gesundheit gar als „allheilend” angesehen. Auch in Japan ist Ginseng bis heute eine begehrte Arzneipflanze und wird als Stärkungsmittel und Aphrodisiakum geschätzt. Die Arzneidroge wurde in der Zeit des Ginseng-Booms im 17. Jh. mit Silber aufgewogen. Es ging der Spruch um: „Ein Mann verkauft seine Tochter, um an Ginseng zu kommen.”

Ausgehend von der Betrachtung der getrockneten Ginsengwurzel und ihrer nachgewiesenen pharmakologischen Wirkung spannt der Vortrag einen großen Bogen von der Geschichte der japanischen Arzneipflanzentherapie (Kampo-Medizin) bis hin zu ihrer Bedeutung innerhalb der heutigen Medizin.

Dabei spielen neben der Ginsengwurzel weitere ostasiatische Arzneipflanzen eine große Rolle, wie Ingwer, Zimtrinde und Süßholzwurzel. Im Gegensatz zur westlichen Phytotherapie wird nicht eine Einzelpflanze, sondern die in Jahrhunderte langer Erfahrung bewährte Rezeptur in Form von Arzneitees oder Extraktprodukten therapeutisch angewandt.

Heute ist die Kampo-Medizin in Japan gut in die moderne Medizin integriert. Sie wird bei geeigneten Indikationen als Ergänzung zur modernen Arzneitherapie verstanden und darf dort nur von Ärzten verschrieben werden. Es gibt eine Fülle wissenschaftlicher Untersuchungen zu Wirksamkeit und Sicherheit dieser Therapieform, auf deren Basis ein moderner Qualitätsstandard für die Arzneien entwickelt wurde. Die Kampo-Medizin setzt dort an, wo die moderne Medizin an ihre Grenzen stößt: an postindustriellen Gesundheitsstörungen, an der Überalterung der Gesellschaft, der Zunahme chronischer Zivilisationskrankheiten und funktioneller Störungen, und nicht zuletzt im Bereich der Prävention.

Zur Referentin:
Heidrun Reißenweber-Hewel ist Fachärztin für Innere Medizin sowie Magistra der Japanologie, Promotion in Japanischer Medizingeschichte. Nach langjähriger klinischer und wissenschaftlicher Beschäftigung mit japanischer Kampo-Medizin in Tokio und an der LMU München ist sie inzwischen in eigener Praxis mit Schwerpunkt Japanische Medizin niedergelassen.
Lehrauftrag am Kompetenzzentrum für Komplementärmedizin und Naturheilkunde der TU München; Präsidentin der International Society for Japanese Kampo Medicine (ISJKM).

Eintritt frei

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