Reihe „Autopsien”: Die anatomischen Tafeln Leonardo da Vincis (1452-1519). Sezieren als Weg zur Welterkenntnis

Di., 14.5.2013, 19.00 Uhrmit Prof. em. Dr. Renate Wittern-Sterzel, Erlangen

Von den über 6000 Blättern mit Notizen, Zeichnungen, Skizzen und Entwürfen aus allen Wissensgebieten, die Leonardo da Vinci hinterlassen hat, gelangten ungefähr 600 auf bis heute noch nicht endgültig geklärten Wegen im 17. Jahrhundert nach England und befinden sich heute als Codex Windsor in der Royal Library auf Windsor Castle. Fast ein Drittel von ihnen, nämlich 200 Blätter, enthalten Zeichnungen, Skizzen und Notizen zur Anatomie, mit der Leonardo sich in mehreren Phasen seines Lebens intensiv beschäftigt hat.

Diese anatomischen Studienblätter wurden seit dem Ende des 19. Jahrhunderts wissenschaftlich bearbeitet und in Teilen ediert. Den Höhepunkt und vorläufigen Endpunkt dieser Bemühungen um das anatomische Erbe Leonardos stellt die Faksimile-Ausgabe aller 200 Blätter mit Transkription und Übersetzung der Texte sowie mit medizin- und kunsthistorischem Kommentar von Kenneth D. Keele und Carlo Pedretti dar, deren deutsche Übersetzung 1980 in einer limitierten Auflage von 300 Exemplaren erschien. Mit Hilfe der „Gesellschaft der Freunde und Förderer des Deutschen Medizinhistorischen Museums” konnte das Deutsche Medizinhistorische Museum im Jahr 2010 das Exemplar Nr. 109 dieser Faksimile-Ausgabe erwerben.

Nach einer kurzen Einführung in die Geschichte der Anatomie und der anatomischen Abbildungen bis 1500 wird im Mittelpunkt des Vortrags, dessen Grundlage auf der intensiven Arbeit mit der Ausgabe des Museums beruht, die Präsentation einer Auswahl der wichtigeren Zeichnungen Leonardos stehen. An ihnen werden seine unterschiedlichen Forschungsmethoden und die vielfach neuartigen Darstellungsprinzipien erläutert, seine Ergebnisse vor dem Hintergrund der tradierten anatomischen Kenntnisse gewürdigt und schließlich die Zielsetzung seiner Studien erörtert.

Zur Referentin:
Prof. Dr. Renate Wittern-Sterzel war von 1985 bis 2009 Direktorin des Instituts für Geschichte und Ethik der Medizin an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg.

Eintritt frei

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