Reihe „Autopsien”: Das moderne „Wunder der Hildegardmedizin” im Konflikt mit den Fakten der historischen Überlieferung

Mi., 2.7.2014, 19.00 Uhrmit Prof. Dr. Irmgard Müller, Bochum

Bereits ein kurzer Blick auf den überlieferten Text der Naturkunde („Physica”), die der Klosterfrau und Äbtissin Hildegard von Bingen (1098-1179) als Verfasserin zugeschrieben wird, lässt erkennen, dass das heute erfolgreich propagierte und einträglich vermarktete „Wunder der Hildegardmedizin” nur noch wenig mit dem Original gemein hat. Anhand ausgewählter Drogenkapitel der mittelalterlichen Schrift Hildegards werden die Probleme der Quellenüberlieferung, die Besonderheiten der mittelalterlichen Pflanzenheilkunde sowie die Schwierigkeiten der Arzneimitteldeutung dargelegt. Daran anknüpfend wird die wissenschaftshistorische Bedeutung des Werkes erläutert sowie die Frage erörtert, ob die Naturkunde Hildegards von Bingen auch als Anleitung zur medizinischen Praxis in unserer Zeit zu lesen ist.

Zur Referentin:
Irmgard Müller studierte Pharmazie in Freiburg. 1962 legte sie das Staatsexamen ab, 1963 erhielt sie die Approbation als Apothekerin. Es folgte ein Studium der Medizin- und Pharmaziegeschichte in Freiburg, Düsseldorf und Bonn sowie die Promotion 1969 zum Dr. rer. nat. in Düsseldorf. Forschungsstipendium der DFG zur Geschichte der Zoologischen Station in Neapel 1970-1976; 1976 Habilitation im Fach Geschichte der Pharmazie und Naturwissenschaften an der Universität Düsseldorf; 1977 Ernennung zum Prof. der Geschichte der Medizin in Marburg; 1985 Ruf als Univ.-Prof. an die Ruhr-Universität Bochum auf den neu gegründeten Lehrstuhl Geschichte der Medizin. Seit 1990 Aufbau der Medizinhistorischen Sammlung der Universität; 1995 Ernennung zum Mitglied der Leopoldina, Halle. 2003 Emeritierung, 2003-2005 kommissarische Leitung des Instituts für Geschichte der Medizin.

Publikationen von Irmgard Müller zum Thema u.a.: Die pflanzlichen Heilmittel bei Hildegard von Bingen (1982, Neuausgabe 2008); Hildegard von Bingen: Physica. Edition der Florentiner Handschrift  (2008)

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