Reihe „Autopsien”: Bluttransfusionsgeräte. Immer Ärger mit dem besonderen Saft...

Mi., 20.6.2012, 19.00 Uhrmit Stefan Schulz, Bochum

Im Mai stehen Bluttransfusionsgeräte aus dem frühen 20. Jahrhundert im Fokus der Autopsie-Reihe. PD Dr. Stefan Schulz von der Medizinhistorischen Sammlung der Ruhr-Universität Bochum stellt ein Sammlungsstück aus dem Bestand des Deutschen Medizinhistorischen Museums vor und lädt die Besucher ein, es zusammen mit ihm zu erkunden.

Seltsam mutet das Bluttransfusionsgerät aus Neo-Athrombit an: Aus welchem Material besteht die rote Röhre und der rote Becher? Sind sie schwer oder leicht? Wie fühlen sie sich an? Welche Funktion hatten Röhre und Becher, wie benutzte man sie an? Hatte sich die Apparatur in der Praxis bewährt? Gab es konkurrierende Geräte?

Die Bluttransfusion hatte ab den 1910er Jahren eine Renaissance in der Medizin erlebt, nachdem es für geraume Zeit in der Praxis und auch in der Literatur still geworden war um dieses Verfahren. Auch die Entdeckung der Blutgruppen um 1900 konnte den klinischen Dornröschenschlaf nicht beenden. Andere Faktoren mussten also für das wiedererwachte Interesse an der Bluttransfusion verantwortlich gewesen sein. Erste Hinweise auf diese Einflüsse geben die Bluttransfusionsgeräte, wenn man sie miteinander vergleicht und dabei ihre spezifischen Konstruktions- und Funktionsmerkmale erkennt.

Die Bluttransfusionsgeräte zeigen aber auch, dass der „besondere Saft” immer wieder Ärger machte. Ein schwerwiegendes Problem in der Praxis war beispielsweise die Blutgerinnung, die nicht nur die Übertragung des Blutes beenden, sondern auch die Patienten gefährden konnte. Die Ärzte der Zeit fanden verschiedene Wege, um dieses Problem zu lösen. Zwei grundsätzlich verschiedene Wege lassen sich hier ausmachen, die aus zwei grundsätzlich anderen Wahrnehmungen des Blutes entstanden. So verschieden wie ihre Wahrnehmung des Blutes waren auch die Forschungsanstrengungen der Ärzte, die der Vortrag mit Blick auf die demonstrierten Objekte ebenso vorstellt wie allgemeine kulturelle Einflüsse auf die Konstruktionen, etwa wirtschaftliche Aspekte.

Zum Referenten
Stefan Schulz ist Arzt und Medizinhistoriker. Seit 2001 leitet er die Medizinhistorische Sammlung der Medizinischen Fakultät an der Abteilung für Medizinische Ethik und Geschichte der Medizin der Ruhr-Universität Bochum.

Eintritt frei

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