Reihe „Autopsien”: 3D-Drucken. Tea. Earl Grey. Hot. – Über Replikatoren, künftige Restaurierungspatienten und gedruckte Zellen

Di., 2.6.2015, 19.00 Uhrmit Denise Madsack, Ingolstadt

3D-gedruckte Legofigur

Manche nennen es die dritte industrielle Revolution, andere können es kaum erwarten, eine Tasse „Tea, Earl Grey, Hot” aus dem 3D-Drucker zu trinken wie einst Captain Picard, der das Heißgetränk beim Replikator des Raumschiffs Enterprise orderte. 3D-Druck ist in aller Munde – und Wohnzimmer. Auch wenn der Ursprung der Technik, die in den 1980er Jahren entwickelt wurde, im Prototypenbau lag, ist sie mittlerweile in viele Bereiche des täglichen Lebens hineingewachsen: Künstler, Designer, Architekten, die Industrie und eine steigende Anzahl von Bastlern fertigen Werke, Modelle, Kleinserien, Endprodukte und Ersatzteile. Dafür konstruieren sie digitale Computermodelle, die vom Druckgerät in physische und voll funktionsfähige dreidimensionale Dinge verwandelt werden.

Da wundert es nicht, dass 3D-gedruckte Objekte immer häufiger ihren Weg in museale Sammlungen finden und Restauratoren dort vor eine große Herausforderung stellen. Denn um die langfristige Erhaltung dieser Exponate zu gewährleisten, ist fundiertes Wissen über die Technik und die Alterungsbeständigkeit der Materialien nötig. Besonders dann, wenn einem bewusst wird, dass der ursprüngliche Zweck eines 3D-gedruckten Objekts im Modell lag, das ein paar Wochen oder Monate, aber keinesfalls die nächsten 200 Jahre überdauern musste.

Die Verarbeitung „unkonventioneller Materialien“ im 3D-Druck macht sich vor allem aber die Medizin(-technik) zunutze, die längst das breitgefächerte Potential für sich erkannt hat. Sie stellt Herz-Prototypen her, um komplexe operative Eingriffe im Vorfeld zu testen, liefert maßgeschneiderte Prothesen aus dem Drucker oder schichtet menschliche Zellen zu Organen, die voll funktionsfähig sein sollen.

Ausgehend von den Grundlagen der Druck-Technik nimmt die Referentin das Publikum auf eine Zeit- und Entdeckungsreisen mit. Sie stellt vor, was mit 3D-Druck heute schon möglich ist und in Zukunft möglich werden wird, welche Grenzen die Medizin mit der Technologie auslotet und was genau eine Restauratorin an diesem Thema so fesselt.

Über die Referentin

Denise Madsack ist seit November 2014 als Restauratorin für die Städtischen Museen Ingolstadt tätig. Sie studierte Konservierung und Restaurierung mit Schwerpunkt moderne Materialien und Medien in Bern. Zu diesem Fachgebiet zählen vor allem Objekte aus Kunststoff, welche sie, gepaart mit ihrem großen Interesse an neuen Technologien und innovativen Materialien, in die Welt des 3D-Drucks führten. In ihrer Master-Thesis beschäftigte sie sich 2011 intensiv mit dem Verfahren und der Beständigkeit der dabei verwendeten Werkstoffe und verfolgt seitdem gespannt die rasante Entwicklung der Technologie.

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