Autopsien: Eingeweide. Anatomie und Kult bei den Etruskern

Mi., 18.5.2011, 19.00 Uhr, Anatomiesaal mit Dr. Matthias Recke (Gießen)

„Autopsie“ bedeutet soviel wie „mit eigenen Augen sehen“, genau hinschauen, sich ein eigenes Urteil bilden. Diesmal ist der „Hauptdarsteller“ ein etruskischer Terrakottatorso, dessen gefensterte Bauchdecke den Blick auf die inneren Organe freigibt. Der Experte des Abends ist Dr. phil. Matthias Recke vom Archäologischen Institut der Universität Gießen, das eine besonders große Sammlung etruskischer Körperteilvotive beherbergt.

Die ‚Autopsie’ im Mai befasst sich mit einem der ältesten Ausstellungsstücke des Deutschen Medizinhistorischen Museums: einem über 2000 Jahre altem Torso aus Terrakotta. Wie ein anatomisches Präparat mit geöffneter Leibeshöhle gestaltet, bietet er einen idealen Ausgangspunkt, der Frage „Anatomie und Kult bei den Etruskern" nachzugehen. Dabei soll neben der Bestimmung der einzelnen Organe vor allem der Zweck dieses Stücks (und vergleichbarer Objekte) erörtert werden. Diente der Torso zur Eingeweideschau und damit der Erkundung des Götterwillens und der Zukunft? War er ein anatomisches Musterstück, zur Belehrung und medizinischen Ausbildung gedacht?

Tatsächlich ist der Ingolstädter Torso ein herausragendes Objekt einer speziellen Gattung etruskischen Kunsthandwerks, die bereits seit dem 6. Jahrhundert v. Chr. überliefert ist und sich vor allem auf die Gegend nördlich von Rom konzentriert. Ihren Höhepunkt erlebt die Gattung im Zeitalter des Hellenismus. Anhand des Torsos, aber auch an weiteren Beispielen geht der Referent der Frage nach, wo und wie sich entsprechende Terrakotten finden, welchen Zweck sie wirklich haben und was wir heute daraus – nicht zuletzt mit Hilfe modernster Untersuchungsmethoden – über die Etrusker, ihre Geschichte und Kultur erfahren können.

Zum Referenten:
Dr. Matthias Recke ist Klassischer Archäologe an der Justus-Liebig-Universität Gießen und Kustos der Gießener Antikensammlung.
Wissenschaftlich befasst er sich mit der Akkulturation Anatoliens in der frühen Eisenzeit, aber auch mit Fragen des Votivwesens in Etrurien und auf Zypern. Seit 2011 gräbt er zusammen mit Kollegen der Universität Brüssel auf Zypern aus. Im Deutschen Medizinhistorischen Museum in Ingolstadt  hat er 2008 die Ausstellung „Kultische Anatomie" kuratiert.

Eintritt frei
Im Anschluss an die Veranstaltung besteht die Möglichkeit, bei einem kleinen Umtrunk im Arzneipflanzengarten mit dem Referenten ins Gespräch zu kommen.

 

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