April 2012: Flohfalle
Buchsbaum (?), gedrechselt und gebohrt, Deutschland um 1780, Höhe 11 cm, Durchmesser 5,2 cm, Inv.-Nr. AB/157

Die Flohfalle gehört zu den Lieblingsobjekten unserer Museumsbesucher. Zu apart ist die Vorstellung, dass mit diesem zierlich gedrechselten Luxusobjekt die Damen des Rokoko die kleinen Plagegeister einzufangen suchten, die sich unter ihren Röcken tummelten. Flöhe gehörten damals ebenso zum Alltag wie heute Stechmücken oder Stubenfliegen. Die Jagd auf den lästigen, aber ungefährlichen Menschenfloh führte zu einfallsreichen Lösungen – und zu galanten literarischen Schöpfungen.

Das Funktionsprinzip der Flohfalle ist denkbar einfach. Der kuppelförmige Deckel ist durch ein Schraubgewinde mit dem pokalförmigen unteren Teil verbunden. Um die Falle zu verwenden, nahm man den Deckel ab, gab einen Lockstoff hinein – das konnte etwas Wolle oder zerzupfte Leinwand sein, die mit Honig, Sirup oder frischem Blut getränkt war – und schloss die Falle wieder. Die Flöhe wurden von dem Geruch angelockt, schlüpften durch die gebohrten Löcher in das Innere der Falle und blieben an dem klebrigen Köder kleben. Die konische Form der Bohrlöcher erschwerte es ihnen zudem, die Falle wieder zu verlassen.

Eine andere Variante der Flohfalle war aus Bein oder Elfenbein zylindrisch gedrechselt und konnte an einem Seidenband um den Hals getragen werden. Auch diese Flohfallen verfügten über konische Bohrlöcher als Eingangspforten für die Flöhe. Im Unterschied zu dem Ingolstädter Modell wurde der Lockstoff hier aber direkt auf einen Elfenbeinstab aufgetragen, der in das Innere des Zylinders ragte. Der Kontrast der dunklen Flöhe zum hellen Elfenbein sollte das Absammeln der Tiere erleichtern.

Das anschließende Schicksal der Flöhe schilderte Franz Ernst Brückmann 1739 in seinem Buch über die „curieuse Floh-Falle” mit dramatischen Worten: Man konnte „sie alle, nach hohem Belieben, ermorden, ersäuffen, todt stechen, spiessen, köpfen, aufhängen und in das unterirdische finstere Reich der Maulwürfe senden“. Der humoristische Ton, dessen sich Brückmann in seiner Schrift bediente, war typisch für die literarische Auseinandersetzung mit dem Floh. Das mag vor allem der damaligen Überzeugung geschuldet sein, dass Flöhe eine ausgesprochene Vorliebe für das weibliche Geschlecht hegten. Wer über Flöhe schrieb, schrieb daher zwangsläufig auch über die Damenwelt. Diese Verbindung eines wissenschaftlich-ernsten Themas mit den galanten Geheimnissen der Frauenzimmer entsprach dem Geschmack der Zeit.

Ein typisches Beispiel bietet der Nürnberger Jurist Martin Frobenius Ledermüller, der durch seine mikroskopischen Bildwerke berühmt wurde. Er legte für seine 1760 erschienene „mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzung” auch einen Floh unter die Lupe. Im Kommentar zu dem Kupferstich des handgroßen Flohs verzichtete er mit Hinweis auf bereits vorliegende Schriften anderer Gelehrter auf wissenschaftliche Erläuterungen und widmete sich stattdessen ganz der charmanteren Seite des Themas: dem Floh und seiner Beziehung zu den Frauen.

„Es dünkt mich, daß diesen Creaturen allzuviel Unrecht geschiehet, wenn man sie die Erbfeinde des schönen Geschlechts nennet. Denn indem der hungrige Floh verlezt, so sticht er nie aus Bosheit, sondern er sucht nur seine Nahrung von dem delicaten Blute des Frauenzimmers, um sein Leben zu erhalten, und folgt dadurch dem Trieb, worzu er bestimmt ist.” Diese „kleine Beleidigung” stünde in keinem Verhältnis mit „der Straffe und Rache die dieses unschuldige Thier alsdann erdulten muß, wenn es das Unglück hat zwischen die Finger einer gestochenen Schönen zu gerathen [...] Kein Kanabal kan mit solchem Appetit das Fleisch eines Europäers braten und sich zum Siegsmahl zurechte richten, als viele Schönen den Körper eines erhaschten Flohs.”

Ledermüller leitete aus dem erbarmungslosen Umgang der Frauen mit den Flöhen sogar unheilvolle Folgen für die Gesellschaft ab, denn es gäbe viele Beispiele dafür, dass „die Grausamkeit vieler Frauen gegen die Flöhe, anfänglich sich auf die Laquayen und Mägde, dann auf die Frau Nachbarin und Gevatter, endlich auf die lieben Kinder und zulezt gar auf die allerliebsten Eheherren, erstrecket habe. Welch Unheil für eine wohleingerichtete Republik!”

 

Literatur:

Brückmann, Franz Ernst: Die neu-erfundene curieuse Floh-Falle zu gänzlicher Ausrottung der Flöhe. 4., viel verm. Aufl., o.O., 1739

Ledermüller, Martin Frobenius: Mikroskopische Gemüths- und Augen-Ergötzung. Nürnberg 1760–1776
Polak, Eduard: Floheier. Gedrechselte Schraubdosen. In: Sammeln, Heft 4 (1986), S. 20–23

Schiedlausky, Günther: Wie man Flöhe fängt. Von Flohfallen und Flohpelzen. In: Kunst & Antiquitäten, Heft 4 (1987), S. 26–38


Autorin:

Prof. Dr. Marion Ruisinger

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